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Chronik

ChronikIm 13. Jahrhundert, als die Grafen von Froburg die durch ihr Gebiet laufenden wichtigen Handelswege an verschiedenen strategischen Punkten mit befestigten Städten besetzten, erfolgte auch die Gründung des Städtchens Wiedlisbach. Als im Jahr 1366 Graf Johann als letzter Froburger starb, ging unter anderem auch das Städtchen Wiedlisbach an die Nidauer über.

Nach dem Tod des letzten Nidauers wurde Wiedlisbach als Pfandschaft vom Grafen Rudolf von Kyburg erworben. Durch kostspielige Waffengänge und Reisen geriet der Kyburger in eine finanzielle Notlage, aus der er sich durch einen kühnen Handstreich zu befreien hoffte: 1382 plante er mit Hilfe eines bestochenen Chorherrn einen Überfall auf die reiche Stadt Solothurn. Im «Schlüssel» zu Wiedlisbach traf sich Graf Rudolf mit seinen Verbündeten in einer Novembernacht zur letzten Verabredung. Hans Roth, Bauer aus Rumisberg, belauschte unbemerkt die Spiessgesellen vom Ofensitz der Wirtsstube aus, indem er sich schlafend stellte. Daraufhin eilte er auf Nebenwegen nach Solothurn und warnte die Stadt, so dass der Überfall vereitelt werden konnte. Der «Hans Roth-Gedenklauf», der bis im Jahr 2007 jährlich anfangs Mai stattfand, ein Volkstheaterstück von Xaver Amiet, der Gedenkbrunnen in Rumisberg sowie ein Gemälde von Helene Roth erinnern an die Geschichte vom Retter Solothurns.

Im Jahr 1386 erhielt das Städtchen Wiedlisbach für seine treuen Dienste im Sempacherkrieg das Recht, einen Wochenmarkt zu halten.

Da Wiedlisbach ein strategisch wichtiger Ort war, wurde es als Pfand von einer Herrschaft zur anderen geschoben. Im Jahr 1463 ging Wiedlisbach ganz an Bern über.

Ein wichtiger Markstein für die Bevölkerung des Bipperamtes war, als im Jahr 1508 die Berner Herren sie gegen eine Entschädigung von 3000 Pfund aus der Leibeigenschaft entliess. Die hauptsächlich aus Bauern bestehende Bevölkerung bekam aber schon bald wieder eine härtere Hand zu spüren: Immer willkürlicher wurde die Herrschaft der Vögte, die mit Hilfe von Bussen ihr eigenes Einkommen zu verbessern trachteten. Als 1653 die Bauern in den benachbarten Regionen zur Rebellion übergingen, schlossen sich ihnen auch die Bipper an.

Wenn auch die Missstände und Härten daraufhin teilweise gemildert wurden, dauerte es doch noch nahezu 200 Jahre, bis die Herrschaft des bernischen Patriziats ihren endgültigen Abschluss fand.

Nicht nur in politischer Hinsicht, auch sozial und wirtschaftlich herrschten im 18. Jahrhundert wenig erfreuliche Bedingungen. Trotz kärglichem Auskommen blieben die Bauern ihrer Scholle treu. Aber trotz günstiger Lage und bevorzugten Zollverhältnissen fehlten Handwerk und Gewerbe, Handel und Verkehr weithin. Auch im 19. Jahrhundert fristeten die Bauern im Bipperamt ein karges Dasein. Industrie und Gewerbe entwickelten sich kaum.

Vielleicht ist es aber gerade diesem wirtschaftlichen Rückstand zu verdanken, dass auch die bauliche Zerstörungswelle ausblieb, der in so vielen anderen Städten und Dörfern das architektionische Erbe zum Opfer fiel. Die Eröffnung der Solothurn-Niederbipp-Bahn im Jahr 1918 brachte den Wiedlisbachern neue Möglichkeiten, ihrem Verdienst nachzugehen. Damit begann die Entwicklung von der landwirtschaftlichen zur stillen Wohngemeinde. Die Strukturwandlung in der Landwirtschaft wirkte sich auch auf das Stadtbild aus: Die grösseren Betriebe wurden ausgesiedelt, immer mehr Kleinbetriebe gingen ein, und mit der Zeit verlor das ganze Hinterstädtchen seinen einstigen Sinn als gemeinsamer Lebensraum der Kleinbauern. Vernachlässigung war die Folge und damit war die Gefahr rücksichtsloser Veränderung und Spekulation gegeben.

Das Problem wurde von den Behörden und der Bevölkerung erkannt. Seit Jahren setzt sich das Altstadtkomitee mit dem Gemeinderat zur Aufgabe, das Stadtbild als lebendigen Ausdruck der Geschichte, der Taten und Leiden früherer Generationen, zu bewahren und zu pflegen. Unter grossen finanziellen Opfern, aber auch mit Hilfe von Bund, Kanton und Denkmalpflege, wurde restauriert und saniert. Das Städtli wurde wieder attraktiv, das Hinterstädtli hat sich zum heimeligen, belebten Platz entwickelt.

Der Schweizer Heimatschutz würdigte diese Anstrengungen, indem er im Jahr 1974 der Gemeinde Wiedlisbach den Henri-Louis-Wakker-Preis, eine Auszeichnung für beispielhafte Ortsbildpflege, überreichen liess. Im Jahr 1975 wurde das Städtchen durch den Europarat ausgezeichnet. Auch heute geht es noch darum, Wiedlisbach nicht nur sein Gesicht zu erhalten, sondern auch für neues Leben hinter den Fassaden zu sorgen.

In den letzten Jahren ist die Gemeinde Wiedlisbach stark gewachsen. Einige Gewerbe- und Industriebetriebe konnten hier Fuss fassen. Somit entstanden Arbeitsplätze am Ort.

Dank seiner günstigen Verkehrslage ist Wiedlisbach auch eine gefragte Wohngemeinde.